IN HER* WORDS
Artistic Intervention. A comment on Allegorical Figure Groups of the Kaiser Wilhelm Memorial in Hamburg
German version below
The monument to Emperor Wilhelm I, created by Johannes Schilling and composed of a central statue flanked by four allegorical figure groups, was erected in 1903 on Hamburg’s Rathausmarkt. Since 1930, it has been located in the Wallanlagen, opposite today’s Justizforum.
As part of her feminist performance, Dagmar Rauwald took up the group of figures known as “Uniform Money.” This depiction shows an older man handing a coin to a young girl, while a boy reads the new measure of the world at his feet—an image that illustrates the integration of the underage girl and the self-empowering boy into the economic and normative order of the empire.
Rauwald’s artistic intervention enacts a deliberate rejection (Verwerfung) of this allegory. The term, as she employs it, encompasses a broad spectrum of meanings: from refusal and denial to unsettling and the targeted shifting or destabilizing of established social and political structures. Rejection, in this sense, is not merely an act of negation, but a productive gesture that questions, displaces, and reinterprets existing hierarchies and value systems.
In doing so, Rauwald highlights how imperial iconography encoded gender roles, power relations, and economic dependencies – and how these can be disrupted, fractured, and transformed through performative appropriation and reinterpretation.
(cf. Belinda Grace Gardner, Speech 2023)
IN HER* WORDS
Künstlerische Intervention. Ein Kommentar zu den allegorischen Figurengruppen des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Hamburg
Das von Johannes Schilling geschaffene Denkmal für Kaiser Wilhelm I., ein monumentales Standbild flankiert von vier allegorischen Figurengruppen, wurde 1903 auf dem Rathausmarkt in Hamburg errichtet. Seit 1930 befindet es sich in den Wallanlagen gegenüber dem heutigen Justizforum.
Im Rahmen ihrer feministischen Performance griff Dagmar Rauwald die Figurengruppe „Einheitliches Geld“ auf. Diese Darstellung zeigt einen älteren Mann, der einem jungen Mädchen eine Münze übergibt, während ein Knabe das neue Maß der Welt an seinem Fuß abliest – ein Bildprogramm, das die Einbindung des unmündigen Mädchens und des sich selbst ermächtigenden Burschen in die ökonomische und normierende Ordnung des Kaiserreichs illustriert.
Rauwalds künstlerische Intervention vollzieht eine bewusste Verwerfung dieser Allegorie. Der von ihr aufgegriffene Terminus umfasst dabei ein breites Bedeutungsspektrum: von Zurückweisung und Verweigerung über Verunsicherung bis hin zur gezielten Verschiebung und Destabilisierung bestehender gesellschaftlicher oder politischer Gefüge. Die Verwerfung ist somit nicht nur ein Akt der Ablehnung, sondern auch eine produktive Geste, die Hierarchien und Wertsysteme infrage stellt, verschiebt und neu deutet.
Damit macht Rauwald sichtbar, wie in den kaiserzeitlichen Bildprogrammen Geschlechterrollen, Machtbeziehungen und ökonomische Abhängigkeiten eingeschrieben sind – und wie diese durch performative Aneignung und Umdeutung irritiert, gebrochen und transformiert werden können.
(vgl. Belinda Grace Gardner, Rede 2023)